Gedichte III


Oh,wie ist es kalt geworden.

Oh ,wie ist es kalt geworden und so traurig öd und leer !
Rauhe Winde wehn von Norden und die Sonne scheint nicht mehr.

Auf die Berge möcht ich fliegen,möchte sehn ein grünes Tal;
Möcht im Gras und Blumen liegen und mich freun am Sonnenstrahl.

Möchte hören die Schallmeien und der Herden Glockenklang;
Möchte freuen mich im Freien an der Vögel süssem Sang.

Schöner Frühling,komm'doch wieder! Lieber Frühling komm' doch bald !
Bring uns Blumen,Laub und Lieder, schmücke wieder Feld und Wald.

(Hoffmann von Fallersleben )

Das Karussell

Mit einem Dach und seinem Schatten dreht sich eine Weile der Bestand
von bunten Pferden,alle aus dem Land,das lange zögert eh es untergeht.
Zwar manche sind an Wagen angespannt,doch alle haben Mut in ihren Mienen;
ein böser roter Löwe geht mit ihnen und dann und wann ein weisser Elefant.
Sogar ein Hirsch ist da,ganz wie im Wald,nur dasss er einen Sattel trägt
und drüber ein kleines blaues Mädchen aufgeschnallt.

Und auf dem Löwen reitet weiss ein kleiner Junge
und hält sich mit der kleinen heissen Hand,derweil der Löwe Zähne zeigt
und Zunge.Und dann und wann ein weisser Elefant-

Und auf den Pferden kommen sie vorüber,auch Mädchen helle
diesem Pferdesprunge fast schon erwachsen;mitten in dem Schwunge
schauen sie auf ,irgendwohin,herüber-
und dann und wann ein weisser Elefant.

Und das geht hin und eilt sich,dass es endet,und kreist und dreht
:sich nur und hat kein Ziel .
Ein Rot,ein Grün,ein Grau vorbeigesendet ,ein kleines
kaum begonnenes Profil-
Und manchesmal ein Lächeln ,hergewendet ,Ein seliges ,das blendet
und verschwendet an dieses atemlose blinde Spiel.

Rainer Maria Rilke

Ob ich Dich liebe

Seh' ich nur einmal Dein Gesicht,
Seh' Dir ins Auge nur einmal,

frei wird mein Herz von aller Qual.

Gott weiss,wie mir so wohl geschicht !

Ob ich Dich liebe weiss ich nicht .J

J.W. von Goethe


Im Dorfe

Es bellen die Hunde,es rasseln die Ketten.
Die Menschen schnarchen in ihren Betten,
träumen sich Manches was sie nicht haben,
tun sich im Guten und Argen erlaben:
Und morgen früh ist alles zerflossen,
je nun,sie haben ihren Teil genossen,
und hoffen was sie noch übrig liessen,
doch wieder zu finden auf ihren Kissen

Bellt mich nur fort ihr wachen Hunde
last mich nicht nicht ruhn in der Schlummerstunde
Ich bin zu Ende mit allen Träumen
was will ich unter den Schläfern säumen ?

Gute Nacht

Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus.
Der Mai war mir gewogen mit manchem Blumenstrauss.
das Mädchen sprach von Liebe, die Mutter gar von Eh',
nun ist die Welt so trübe, der Weg gehüllt in Schnee.

Ich kan zu meiner Reisen nicht wählen mit der Zeit,
muss selbst den Weg mir weisen in dieser Dunkelheit.
Es zieht ein Mondenschatten als mein Gefährte mit,
und auf den weissen Mattensuch such' ich des Wildes Tritt

Was soll ich länger weilen bis man mich trieb hinaus ?
Lass ihre Hunde heulen vor ihres Herren Haus !
Die Liebe liebt das Wandern, Gott hat sie so gemacht
von einem zu dem Andern, Fein Liebchen gute Nacht.

Will dich im Traum nicht stören, wer schad' um deine Ruh '
Sollst meinen Tritt nicht hören sacht, sacht die Türe zu.
Ich schreibe nur im Gehn ans Tor noch Gute Nacht,
damit du mögest sehen, ich hab an dich gedacht.


Die Tulpe

Andre mögen andre loben,mir behagt mein reich Gewand,
durch sei eigen Lied erhoben pflückt dich eines Dichters Hand.

In des Regenbogens sieben Farben wardst Du eingeweiht
und wir sehen was wir lieben an dir zu der selben Zeit.
Als mit ihrem Zauberstabe Flora dich entstehen liess,
einte sie des Duftes Gabe deinem hellen bunten Vlies.

Doch die Blumen all ,die frohen ,standen nun voll Kummers da
als die Erde deinen hohen Doppelzauber werden sah.

"Göttin ! o zerstör uns wieder denn wer blickt uns nur noch an ? "
Sprach's die Rose , sprach's der Flieder,sprach's der niedere Thymian.

Flora kam um auszusagen deinen Blättern ihren Duft :
du erfreust , sie sagt's ,die Augen,sie erfreun die dunkle Luft .

(Graf von Platen )


Die Rose

Wenn erst die Rosen verrinen aus Vasen der vom Strauch
und ihr Entblättern beginnen, fallen die Tränen auch

Gottfried Benn

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Gelbe Rosen

Wir haben nicht das Glück genossen in indischer Gelassenheit;
in Qualen ist's emporgeschossen, wir wussten nichts von Seligkeit

Verzehrend kam's in Sturm und Drange ;Ein Weh nur war es ,keine Lust !
Es bleichte deine zarte Wange und brach den Atem meiner Brust.

Es schlang uns ein in wilde Fluten,es riss uns in den jähen Schlind;

Zerschmettert fast und im Verbluten lab endlich trunken Mund und Mund:

Des Lebens Flamme war gesunken ,des Lebens Feuerquell verrauscht
bis wir aufs neu den Götterfunken umfangend, selig eingetauscht.

Theodor Storm

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Rosenzeit

Wenn die wilden Rosen blühen an des Feldes Rand
frisch gemähtes Wiesengrün duftet durch das Land.
Wenn in stillen Waldesgründen sich die roten Beeren ründen
und die Sommerzeit verkünden
wenn der Himmel bläut so weit ,
oh du schöne Rosenzeit
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ell und warm ist nun die Nacht , länger wird der Tag ,
dass er all der Schönheit Pracht , in sich fassen mag.
Frühling ist noch nicht gegangen, Sommer hat schon angefangen .
Beide hold vereinigt prangen
Herbst und Winter sind noch weit,
oh du schöne Rosenzeit .
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Ja in Rosen steht die Welt aber ahnungsbang
rauscht durchs Ährenfeld schon ein fremder Klang.
Bald ertönt der Erntereigen und die Rose wird sich neigen
und die Vögel werden schweigen .
Ach wie bald dann liegst du weit ,
oh du schöne Rosenzeit.

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Die Pfingstrose

 

Ein Hauch von Rosa, so zart wie Puder aufgelegt ein Märchenbild in einem grünen Rahmen,
ganz eingehüllt in rosa Seide darf sie als Königin im Garten stehn ,
der sonnenanfangs Augenweide, und wer sie sieht so strahlend schön.
Verkörperung der Daseinsfreude, dem wird der Trübsinn schnell vergehn.

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Der Oktober

Fröstelnd geht die Zeit spazieren.
Was vorüber schien,beginnt .
Chrysanthemen blühn und frieren.
Fröstelnd geht die Zeit spazieren .
und du folgst ihr wie ein Kind.

-.....................

Geh nur weiter,bleib nicht stehen.

Kehr nicht um,als sei´s zuviel.

Bis ans Ende musst Du gehen,

hadre nicht in den Alleen.

Ist der Weg denn schuld am Ziel ?

  .......................

Geh nicht wie mit fremden Füssen
und .als hättst du dich verirrt.
Willst du nicht die Rosen grüssen ?
Lass den Herbst nicht dafür büssen,
dass es Winter werden wird.

.....................

Auf den Wegen in den Wiesen

leuchten wie auf grünen Fliesen,

Bäume bunt und blumenschön.

Sinds Buketts für sanfte Riesen?

Geh nur weiter,bleib nicht stehen.

.................

Blätter tanzen sterbensheiter

ihre letzten Menuetts.

Folge langsam dem Begleiter.

Bleib nichtstehn,geh nur weiter,

denn das Jahr ist dein Gesetz.

.................

Nebel zaubbern in der Lichtung
eine Welt des Ungefährs.
Raum wird Traum
und Traum wird Dichtung,.
Folg der Zeit.Sie weiss die Richtung.
"Stirb und werde "nannte Er´s.

Verfasser unbekannt

 

Mein Freund der Hund

Ich schenkte dir Geborgenheit,du vergiltst es mir mit Treue
und Liebe allerzeit
bewegt das Herz mir stets aufs Neue.
Dein höchstes Glück ist unser Gang durch Felder ,Busch und Wiesen,
da mich erfreut der Vögel Sang,
du drängst die Freunde zu begrüssen.
Wenn Kranksein,Schmerz und Ungemach
mich an meinLager zwingen,
du bist bei mir,liegst still und wach,
mag Stund´um  Stund´ verinnen.
Ist mir ein Herzeleid geschehn,
lass mich in deine Augen schauen,
"Ich bleib bei Dir"es wird schon gehen,
willst du mir sagen,"hab Vertrauen"
Ein Wesen ,dass so tief empfindet,
das reich ist an solch edlen Gaben;
ganz ohne Falsch meinHerz ergründet,
Hund,du sollst keine Seele haben ??

(von Hilde Tröller )

 

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